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Das kreative Leben strukturieren II (Sandra Tayler)

Das kreative Leben strukturieren II (Sandra Tayler)

Heute habe ich den zweiten Beitrag zu Sandra Taylers Vortrag über das Thema, wie man Struktur in das kreative Leben bringt. Letzte Woche habe ich die Hintergründe erläutert, heute geht es darum, wie man um die Säulen seines Lebens herum die Kreativität integriert.

Struktur von außen

Es hilft, wenn man in der Struktur, die man bereits im Leben hat, Punkte findet, an die man mit seinen Schreibgewohnheiten andocken kann. Dadurch muss man eine Entscheidung weniger treffen und beugt der Entscheidungsmüdigkeit vor. Da bieten sich natürliche Ankerpunkte an, wie zum Beispiel die Zeit nach dem Aufstehen, die Mahlzeiten oder die Zeit vor dem Zubettgehen.

Durch äußere Trigger kann man das Gehirn in den Arbeitsmodus versetzen. Da bieten sich kleine Dinge an, wie eine Tasse Tee oder ein bestimmtes Lied, dass man immer zu Beginn einer Schreibsession hört. Dadurch wird das Schreiben zu einem Ritual, was sich leichter in den Alltag integrieren lässt. Es kann auch helfen, mit kleinen Belohnungen zu arbeiten, um die Motivation, das Ritual auch umzusetzen, zu erhöhen.

Es ist jedoch wichtig, dass man sich nicht schuldig fühlt oder schämt, wenn man ein Ritual einmal nicht umsetzen konnte, denn das entzieht einem nur weitere kreative Energie. Man sollte sich besonders dann nicht schuldig fühlen, wenn man auf das Schreiben verzichtet hat, weil gerade Self Care wichtiger war.

Neue Strukturen aufbauen

Übung macht den Meister, wie es so schön heißt – auch neue Gewohnheiten brauchen ihre Zeit, bis sie sich eingeschliffen haben.

Hier hilft es, wenn man sich einen Alarm setzt, der einen daran erinnert, dass man die Tätigkeit jetzt beginnen will. Je weniger Dinge man sich merken muss, um so weniger geistiger Energie verbraucht man.

Falls man durch den Brotjob sehr erschöpft ist, hilf es auch, kleine Rests in den Tag einzubauen – zum Beispiel erst eine Runde Sport, ein bisschen Meditation oder ein Power Nap, bevor man sich ans Schreiben macht. Wobei man in dem Fall auch überlegen sollte, ob man seine Schreibzeit in den Morgen verschieben kann, wenn man noch fit ist.

Blockaden finden und überwinden

Meistens ist es nicht die Zeit, die das eigentliche Problem darstellt, sondern andere Blockaden.

Schreiben kann manchmal ein schmerzhafter Prozess sein und unser Gehirn vergisst das nicht und will uns vor weiterem Schaden schützen, in dem es etliche Ausreden erfindet, warum wir nicht schreiben sollten. Dann hilft es, techniken anzuwenden, um das Gehirn “umzuprogrammieren” (zum Beispiel die Brain Lock-Technik von Jeffrey M. Schwartz, die sich eigentlich bei Zwangsstörungen angewandt wird, aber auch hier nützlich ist). Das limbische Gehirn wurde in der Kindheit von den Eltern programmiert, aber man kann die Stimme im Kopf nach und nach umtrainieren, wenn man sich bewusst mit ihr auseinandersetzt.

Wichtig ist auch, dass man darauf achtet, auch genug Erholungszeit zu haben, um neue Kräfte zu sammeln. Sie sollte deswegen genauso fest geplant werden, wie die Schreibzeiten. 

Eine weitere Blockade kann darin liegen, dass du zu den “falschen” Zeiten zu schreiben versuchst – achte auf deinen Biorythmus und finde die Zeiten, an denen du die meiste kreative Energie hast.

Wenn der kreative Brunnen leer ist, ist es wichtig, ihn wieder aufzufüllen – ein gutes Buch zu lesen oder eine Serie auf Netflix zu gucken, können manchmal genau das sein, was man gerade braucht. Und so lange man es nicht übertreibt, darf man die Zeit dann auch als Schreibzeit zählen. (Also, ein paar Folgen sind okay, zehn oder mehr Staffeln am Stück durch zu suchten vielleicht eher nicht mehr ;-) )

Manchmal liegt es auch an der Geschichte, die irgendwie hakt – dann darf man Stolz auf seinen Instinkt sein und gucken, worin das Problem liegt. Wenn es daran liegt, dass man Fähigkeiten bräuchte, die man noch nicht hat, oder es etwas ist, was man sich noch nicht zutraut, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann man sich die Fähigkeiten aneignen und dann zur Geschichte zurückkehren, oder man kämpft sich durch und kümmert sich während der Überarbeitung um das Problem. Ich bevorzuge die zweite Methode – denn manchmal stellt sich heraus, dass es nicht an fehlenden Fähigkeiten, sondern nur an fehlendem Selbstvertrauen lag. Und die erste Variante kann dann schnell dazu führen, dass man in einen Kaninchenbau diverser Schreibratgeber und Workshops hinabsteigt und erst viel, viel später wieder herauskommt.

Ein Problem kann auch der Perfektionismus sein – da hilft nur in den sauren Apfel zu beißen, sich durchzukämpfen und sich auch einfach zu erlauben, Mist zu bauen. Mit der Zeit wird dann auch das Gehirn lernen, dass es kein Beinbruch ist, wenn man nicht perfekt ist.

Perfektionismus geht oft auch Hand in Hand mit Angst und Unsicherheit. Hier muss man lernen, nicht auf die bösen Stimmen zu hören, sondern ihnen bewusst zu Antworten, dass man sie zwar hört, sie aber unbegründet sind und man es trotzdem tun wird. Dadurch werden sie nach und nach leiser.

Wenn man sich einfach nicht nach Schreiben fühlt, sollte man sich sagen, dass man es nur für fünf oder zehn Minuten versuchen will. Falls man sich besser fühlt, kann man einfach weiter schreiben. Falls man sich dagegen schlechter fühlt, sollte man aufhören – aber dann kann man sich zumindest sagen, dass man ein kleines bisschen geschafft hat.

Hin und wieder spielt einem das Leben auch so schlechte Karten, dass man für einige Zeit all die Energie braucht, um die Ereignisse zu verarbeiten. Dann ist es auch in Ordnung, einige Zeit nicht zu schreiben.

Manchmal kommen kleinere Störungen auch von außen. Man sollte versuchen, die Schreibzeit gegen Freunde und Familie zu verteidigen. Wenn es häufig zu Störungen kommt und es auch keine Möglichkeit gibt, sie einfach abzuschalten, sollte man sich Handlungsmuster aufbauen, wie man damit umgeht. 

Veränderungen in kleinen Schritten

Wenn man zu viel auf einmal verändern will oder die Veränderungen in keine Strukturen einbettet, sind sie meist zum Scheitern verurteilt. Um eine Gewohnheit aufzubauen, sollte man versuchen, Hürden abzubauen, sodass es leichter wird, die Gewohnheit auszuüben, als sie nicht auszuüben.

Im Umkehrschluss kann man sich Dinge auch einfacher abgewöhnen, wenn man mehr Hürden aufbaut.

Große Veränderungen sind schwierig und häufig an bedeutende Ereignisse im Leben geknüpft, die alles umwerfen. Dann ist es wichtig, dass man sich seine neuen Routinen in kleinen Schritten aufbaut, da es einfacher ist, sich diese anzugewöhnen.

Sandra hat hier die Löffeltheorie vorgestellt. Darin heißt es, dass jeder Mensch eine bestimmte Zahl an Löffeln hat und jede Aufgabe Löffel kostet. Die Menschen beginnen dabei leider nicht mit der gleichen Zahl an Löffeln und eine bestimmte Aufgabe kostet nicht jeden gleich viele Löffel, sodass es schwierig ist, von der eigenen Situation auf die anderer zu schließen.
Wenn jetzt etwas passiert, was dafür sorgt, dass man weniger Löffel zum Schreiben zur Verfügung hat, weil man zum Beispiel länger arbeiten oder sich um ein krankes Familienmitglied kümmern muss, ist es erstmal schwer, sich auf die veränderte Situation einzustellen. Wichtig ist es, dass man sich selbst eingesteht, dass man jetzt weniger als zuvor tun kann, sich dafür keine Vorwürfe macht und sich auch erlaubt, bewusst um die Veränderung zu trauern.

Es ist auch wichtig, dass man sich bewusst macht, dass Veränderungen zum Leben dazu gehören, es immer wieder kleine und größere Stellschrauben gibt, an denen man drehen muss, und dass man sich bei größeren Veränderungen auch die Zeit nehmen muss, ein neues System aufzubauen.

Abschließende Worte

Sandra hat ihren Vortrag mit folgender Aussage beendet: Wir alle hören manchmal die Stimme, die uns sagt, dass das, was wir gerade tun, Zeitverschwendung ist. Aber der kreative Schöpfungsakt verändert Menschen und hat das Potenzial, die Welt zu verändern. Er verändert die Leben der Menschen, die mit ihm in Kontakt kommen. Deine kreative Arbeit, ganz gleich, wie trivial sie dir erscheint, lohnt sich, auch wenn sie nur dich selbst verändert.

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