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Das kreative Leben strukturieren I (Sandra Tayler)

Das kreative Leben strukturieren I (Sandra Tayler)

Sandras Vortrag auf der Writing Excuses Cruise 2018 hat damals den Finger genau auf in die Wunde gelegt, mit der ich zu der Zeit gekämpft habe: Wir strukturiere ich mein Leben so, dass das Schreiben nicht nur eine weitere Belastung im stressigen Alltag ist. Zu der Zeit hatte ich gerade ein halbes Jahr mit Vollzeitbrotjob hinter mir, nachdem ich zuvor sechseinhalb Jahre in Teilzeit gearbeitet hatte. Plötzlich blieb nicht mehr so viel Raum fürs Schreiben in meinem Leben wie zuvor. Ich war über mehrere Monate deswegen todunglücklich und bereute meine Entscheidung, die Stelle aufstocken zu lassen, obwohl es mir finanziell mehr Sicherheit gab.

Sandras Vortrag hat mich dann eindringlich an etwas Wichtiges erinnert: Noch weit vor dem Schreiben kommen die Fundamente, auf denen man sein Leben baut. Nur wenn man eine gute Basis hat, kann man wirklich kreativ sein.

Hinweis: Den Vortrag habe ich wegen der Länge zweigeteilt, heute geht es mehr um die Grundlagen, im zweiten Teil dann um den Aufbau von Strukturen.

Ziele und Prioritäten

Die wichtigste Grundlage, um sein Leben strukturieren zu können, ist, seine eigenen Ziele und Prioritäten zu kennen. Und da sollte man auch wirklich ehrlich zu sich sein. Einige lästige Dinge muss man erledigen. Da kommt man nicht drum rum. Aber man sollte immer versuchen, die wichtigen Dinge zuerst zu erledigen, und die Tage so aufzubauen, dass sie einen dabei unterstützen, die eigenen Träume zu verwirklichen.

Jeden Tag sollte man wenigstens etwas kleines tun, dass einem seinem Ziel näher bringt.

Erkenne die Säulen deines Lebens

Bevor man kreativ sein kann, muss man die eigenen Grundbedürfnisse befriedigen. Da fand ich den Ratschlag besonders hilfreich, sich bei “lästigen” Dingen, die auf den ersten Blick nichts mit Kreativität zu tun haben, ins Gedächtnis zu rufen, auf welche Art und Weise sie die eigene Kreativität doch unterstützen.

  • Der lästige Brotjob bezahlt die Rechnungen und ermöglicht einem überhaupt einen Lebensstil, in dem man kreativ sein kann. Denn er gibt einem finanzielle Sicherheit und nimmt einem Sorgen, die vom Schreiben ablenken.
  • Die Hausarbeit bringt Ordnung in die Wohnung und damit auch meist in den Arbeitsplatz, dem man sich fürs kreative Schaffen ausgesucht hat. Auch wenn man gerne vom kreativen Chaos spricht, kann Chaos die Möglichkeit, kreativ zu sein, doch auch negativ beeinflussen.
  • Eine gute Beziehung zu Freunden und Familie ist ein weiterer Stützpfeiler im kreativen Leben. Menschen sind soziale Wesen und brauchen Kontakte, um wirklich aufzublühen. Freunde und Familie können in schweren Zeiten auch eine wichtige Unterstützung darstellen.

Kurz: Man sollte kein schlechtes Gewissen haben, wenn man dadurch, dass man die Grundlagen schafft, keine Zeit zum Schreiben hat.

Erkenne, was dich emotional stärkt und was dich herunterzieht

Lerne dich selbst besser kennen und plane voraus, wie du mit Tagen umgehst, in denen du mental erschöpft bist. Es ist einfacher, wenn du für kleinere, wiederkehrende Krisen schon eine “Gebrauchsanleitung” angefertigt hast.

Es ist auch wichtig zu wissen, welche Aufgaben bei dir mehr Denkarbeit benötigen und welche einfach so aus dir herausfließen. Achte auf deinen Biorythmus und deine geistige Gesundheit – oft Verhält es sich zyklisch und du kannst deine Aufgaben daran anpassen, was dir zu einem bestimmten Zeitpunkt leichter fällt. Denn selbst in einer depressiven Phase ist immer noch emotional belohnend, wenn man kleine Dinge erledigen kann.

Jede Handlung leert oder füllt deinen kreativen Brunnen

Dass mein kreativer Brunnen nicht unendlich ist, ist etwas, woran ich mich regelmäßig erinnern muss. Irgendwann muss ich ihn wieder auffüllen, bevor ich neu daraus schöpfen kann. Deswegen ist es wichtig, Möglichkeiten zu finden, den eigenen krativen Brunnen wieder aufzufüllen und diese Dinge auch regelmäßig zu tun, anstatt bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Um diese Möglichkeiten zu finden, solltest du dich nach jeder Handlung fragen, ob du dich danach besser fühlst oder schlechter.

Eine halbe Stunde zu lesen ist inzwischen ein fester Punkt in meiner Abendroutine und am Sonntag nehme ich mir da auch noch ein bisschen mehr Zeit für.

Dieser Punkt trifft auch auf Menschen in deinem Umfeld zu: Verbringe möglichst viel Zeit mit Menschen, die dich inspirieren und unterstützen. Menschen, die dich demotivieren und herunterziehen, solltest du wenn Möglich aus deinem Leben entfernen. Das ist natürlich nicht immer möglich – gerade, wenn es enge Familienmitglieder sind. Dann solltest du mit ihnen darüber reden und eine Barriere zwischen sie und deine kreativen Bestrebungen bringen. Es ist sehr wichtig, dass du das Problem ansprichst, denn sonst erschwert es dir nicht nur, kreativ zu sein, sondern kann auch einen schmerzhaften Keil zwischen euch treiben.

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