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Humor schreiben – Teil 2: Die verschiedenen Formen (Howard Tayler)

Humor schreiben – Teil 2: Die verschiedenen Formen (Howard Tayler)

Heute geht es weiter mit der kurzen Reihe zum Thema “Humor”, die auf Howard Taylers Vortrag beim Writing Excuses Workshop & Retreat 2018 basiert.

Die verschiedenen Formen

Howard hat fünf Formen vorgestellt, wie Witze aufgebaut und präsentiert werden können. Die Formen schließen sich nicht gegenseitig aus – Witze sind besonders effektiv, wenn sie in mehrere der Kategorien zünden.  

Comic Drop

Beim Comic Drop verändert sich der Status (hier im Sinne von Ansehen, Stellung, sozialer Stand) zwischen zwei Entitäten. Selbstironischer Humor, schlagfertige Antworten (kennt jemand eine gute Übersetzung für “sick burn”?) und jede Art von Humor, die sich über andere lustig macht, funktioniert nach diesem Prinzip.

Wichtig ist hierbei, dass derjenige, der herabgesetzt wird, vorher auf der gleichen Stufe war, wie derjenige, der den Witz macht, oder höher. Humor sollte nie nach unten treten. Diese Art von Humor lässt sich daher gut nutzen, um sozialkritisch zu sein, birgt aber gleichzeitig die Gefahr, missbräuchlich, verletzend und bösartig zu werden.

Man sollte sich beim Comic Drop deswegen Gedanken darüber machen,

  • wessen Status erhöht wird
  • wessen Status erniedrigt wird
  • welchen Status sie vorher hatten
  • welchen Status sie nachher hatten
  • wie das Publikum den Status wahrnimmt
  • ob man die Distanz zwischen dem vorher und nachher noch erhöhen kann.

Man kann zum Beispiel den Status erst erhöhen, damit der Fall noch tiefer wird.

Comic Drops sind ohne Kontext meistens nicht lustig. Das Publikum muss wissen, um wen es geht, wie sich der Status verändert und die Veränderung muss in dem Kontext unerwartet eintreffen. Wenn man vorher nicht etabliert hat, dass die Großmutter die Tyrannin der Familie ist, empfindet der Leser Witze auf ihre Kosten nicht witzig, da man bei einer Großmutter eher an eine gutmütige, gebrechliche Frau denkt und es sich mehr wie ein Nach-unten-Treten anfühlt. 

Howard hat als Beispiel ein Erlebnis wiedergegeben, dass er auf dem Kreuzfahrtschiff hatte, als er auf der Krankenstation war:

Frau: Oh, sind Sie der Arzt?

Howard: Nein, aber danke. Ich habe mich lange nicht mehr so intelligent und gut aussehenden gefühlt.

Frau: Oh, mein Lieber … In Oklahoma gibt es auch hässliche Ärzte.

(Übersetzung von mir)

Veränderung des Kontexts

Die Geschichte verändert sich im Laufe der Erzählung in eine unerwartete Richtung (vgl. Holzwegeffekt). Da hier oft mit Doppeldeutigkeiten gearbeitet wird, funktioniert es oft nur in einer Sprache.

Das Beispiel, das Howard anbrachte, stammt von Wendy Liebman:

I could tell he really wanted me… to shut up, because I’m chatting and chatting and he’s busy… flying the plane.

Hier sieht man auch gleich, dass die Übersetzung nicht funktionieren würde:

Ich konnte sehen, dass er wirklich wollte … dass ich die Klappe halte, weil ich schwatzte und schwatzte und er damit beschäftigt war, … das Flugzeug zu fliegen.

Der zweite Teil geht noch, aber beim ersten verhindert die deutsche Satzstellung die Doppeldeutigkeit zwischen “Er wollte mich …” und “Er wollte, dass ich die Klappe halte.”)

Erzwungene Übereinstimmung

Eine erzwungene Übereinstimmung ist ein Vergleich, der die Art, wie wir über etwas denken, verändert.

Das Beispiel, das Howard hier anbrachte, stammt von Douglas Adams:

Die Raumschiffe hingen im Himmel – auf die gleiche Weise wie Ziegelsteine es nicht tun.

(Übersetzung von mir)

Noises off

Hierbei handelt es sich um “Stimmen aus dem Off” – die eigentliche Handlung sehen wir nicht, sondern spielt sich in der Vorstellung der Leser ab. Der Begriff stammt aus dem Theater und beschreibt, wenn die Crew abseits der Bühne Geräusche verursacht, zum Beispiel das Klappern von Kochtöpfen und Pfannen, um damit anzudeuten, dass gekocht wird.

Howard nennt als Beispiel eine Kuchenschlacht, die in der Vorstellung des Lesers lustiger ist, als er sie Zeichnen könnte. Deswegen findet sie abseits ab und der Leser bekommt nur die Reaktionen von Figuren, die selbst die Schlacht hören (ohne zu wissen, was genau passiert) oder die danach über die Schlacht sprechen.

Diese Technik eignet sich auch gut, um Figuren durch eine gemeinsame angedeutete Backstory runder zu machen – ich musste zumindest gleich an die Avengers und Black Widows und Hawkeyes illustren Auftrag in Budapest, den beide anders in Erinnerung haben, von dem aber bisher im Canon nicht bekannt ist, worum es wirklich ging. Das verleitet zu Spekulationen und dazu, sich das Geschehen selbst auszumalen. Die Gefahr ist, dass die Erwartungen dann recht hoch gesetzt sind, sollte man doch irgendwann erzählen, was denn jetzt in Budapest passiert ist ;-)    

Wortspiele

Wortspiele arbeiten mit Mehrdeutigkeiten und anderen Wortveränderungen. Gute Wortspiele ergeben sich natürlich aus dem Kontext der Unterhaltung und lenken nicht vom eigentlichen Thema ab. Schlecht ist es dagegen, wenn man die Unterhaltung in eine andere Richtung lenken muss, nur um das Wortspiel anbringen zu können.

Wortspiele überschneiden sich auch oft mit Comic Drop, Veränderungen des Kontexts und erzwungenen Übereinstimmungen.

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