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Fehlerdiagnose für den Roman – Teil 3: Der Plot (Mary Robinette Kowal)

Fehlerdiagnose für den Roman – Teil 3: Der Plot (Mary Robinette Kowal)

Im dritten Teil zur Fehlerdiagnose geht es um Plotprobleme. Die treten auf, wenn man eine Frage für den Leser aufwirft, … aber keine Antwort darauf hat! Mary Robinette hat zwei Bereiche angesprochen.

  • Anfänge & Enden
  • Die durchhängende Mitte

Anfänge & Enden

Enden sind unbefriedigend, wenn sie nicht die Frage beantworten, die der Anfang aufgeworfen hat. Das kann nur ein Problem der Reihenfolge sein, in der verschiedene Plotfragen beantwortet werden, wie Mary Robinette anhand des MICE Quotient erklärt.

Der MICE Quotien beschreibt die vier Faktoren, die in unterschiedlicher Gewichtung in einer Geschichte zum Tragen kommen.

  • M = Milieu = Die Figur betritt eine neue Welt und verlässt sie am Ende wieder
  • I = Inquiry = Die Handlung wird von einer Frage angetrieben
  • C = Character = Die Ängste und Sorgen der Figur treiben die Handlung voran (z.B. bei Coming of Age)
  • E = Event = Ein Ereignis zerstört den äußeren Normalzustand und löst dadurch die Handlung aus.

Ähnlich wie Programmiercode können die verschiedenen Aspekte ineinander verschachtelt werden. “The Wizard of Oz” sähe dabei folgendermaßen aus

<C><E><M><I></I><M></E></C>

Zu Beginn ist Dorothy mit der Situation Zuhause unglücklich (C), dann kommt der Sturm (E) und trägt sie nach Oz (M). Dort sucht sie dann nach einem Weg, nach Kansas zurückzukehren (I). Sie findet diesen Weg (I), kehrt nach Kansas zurück (M), wo die Spuren des Sturms wieder ausgemerzt sind (E) und hat die Erkenntnis, dass kein Ort so schön ist wie Zuhause (C). 

Würde die Geschichte sich anders auflösen, wäre das Ende für den Leser unbefriedigend.

Es ist sehr wichtig, dass das Ende den Anfang spiegelt, weswegen man unbedingt darauf achten muss, dass die verschiedenen Plot-Tags in der richtigen Reihenfolge geschlossen werden.

Die durchhängende Mitte

Löcher im Plot finden sich häufig in der Mitte – meistens hat man als Autor ein recht klares Bild davon, wie die Geschichte anfangen oder enden soll, oder beides.

Mary Robinette nennt mehrere Techniken, mit denen man die Löcher in der Mitte stopfen kann

  • Der MICE-Quotient lässt sich auch auf den Szenen-Level anwenden. Auch hier muss man auf die Verschachtelung achten.
  • Jeder Try-Fail-Zyklus sollte mit einem “ja, aber” oder “nein, und außerdem” aufgelöst werden.
  • Man sollte Komplikationen und Hürden abwägen. Komplikationen machen es der Hauptfigur zwar schwieriger, ihr Ziel zu erreichen, stehen aber nicht in direktem Zusammenhang mit dem Hauptkonflikt, während Hürden dem Ziel direkt im Weg stehen. (Bei einer Schatzsuche wäre die Romanze mit der hübschen Elbin eine Komplikation, während der Drache, der den Schatz bewacht, eine Hürde wäre) Damit die Geschichte nicht ausufert, ist es besser, ähnliche Konfliktarten zu wählen.

 

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