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Fehlerdiagnose für den Roman – Teil 1: Die Schreibblockade (Mary Robinette Kowal)

Fehlerdiagnose für den Roman – Teil 1: Die Schreibblockade (Mary Robinette Kowal)

Als Autor stößt man häufig bei der Arbeit an einem Schreibprojekt auf Probleme – sei es beim Schreiben selbst, in der Überarrbeitung oder beim Plotten. In ihrem Vortrag hat Mary Robinette sehr viele nützliche Tipps gegeben, wie man an der eigenen Reaktion oder der der Testleser erkennen kann, wo das Problem liegt und wie es gelöst werden kann.

Da der Vortrag sehr geballt sehr viele Werkzeuge an die Hand gibt, habe ich ihn auf drei Blogposts aufgeteilt. Den Anfang macht die Schreibblockade.

Die Schreibblockade als Diagnosewerkzeug

Mary Robinette nennt verschiedene Arten der allseits bekannten und gefürchteten Schreibblockade.

Schläfrigkeit

Wenn du dich nicht zum Schreiben aufraffen kannst, weil die Vorstellung eine einschläfernde Wirkung auf dich hat, gibt es dafür einen ganz einfachen Grund: Die Geschichte langweilt dich.

Die Lösung: Kehre zur letzten Stelle zurück, bei der du das Schreiben noch spannend fandest und triff eine andere Entscheidung.

Glotzen

Wenn du ewig auf den blinkenden Cursor starrst und kein Wort schreibst, sodass der Eindruck entsteht, als wäre die große Herausforderung gerade nicht weiter zu schreiben, liegt das daran, dass du nicht weißt, wie es weitergehen soll.

Die Lösung: Überlege dir folgende drei Dinge:

  • Was will die Figur?
  • Was ist das cleverste, das sie mit dem ihr zur Verfügung stehenden Material tun kann, um ihr Ziel zu erreichen?
  • Wie kann das furchtbar schiefgehen?

Unruhe

Urplötzlich ist das Geschirr in der Spüle und die Steuererklärung, die in drei Monaten fertig sein muss, wie reizvoller, als an deiner Geschichte weiter zu schreiben. Der Grund dafür ist, dass die Szene, die dir bevorsteht, emotional oder handwerklich anspruchsvoll ist und du dich vor der Herausforderung drücken willst.

Die Lösung: Erlaube dir, einen schlechten ersten Entwurf zu schreiben und kämpfe dich mit der Einstellung durch die Szene, dass du das ganze am Ende immer noch hübsch machen kannst.
Falls du nicht weißt, wie die Figuren ihr Ziel erreichen können, lass die Figuren selbst darüber nachgrübeln, wie sie das Problem lösen könnten und was dabei schief laufen könnte. Diese Überlegungen kannst du nachher immer noch streichen – aber vielleicht passen sie auch ganz gut in die Geschichte.

Zaudern

Du schreibst die letzte Szene immer und immer wieder um und kommst nicht vorwärts. Der Grund liegt darin, dass du im tiefsten Inneren nicht an die Szene glaubst.

Die Lösung: Denk darüber nach, warum es die Szene überhaupt gibt. Versuch die Motivation deiner Hauptfigur zu verstehen. Was will/muss sie in der Szene erreichen? Wie kann sie das auf eine andere Art tun?

Depressionen

Manchmal liegt es nicht an der Geschichte selbst, dass man nicht vorwärts kommt, sondern hat ernstere Gründe. Wenn man jede Freude am Schreiben verloren hat, ist das ein Problem, das sich nicht dadurch lösen lässt, sich mehr Gedanken über die Geschichte zu machen.

Die Lösung: Sei gut zu dir – genauso wenig, wie du dich bei einer Grippe zum Schreiben zwingen würdest, solltest du es auch jetzt nicht tun. Du bist krank und solltest dir die Ruhe gönnen, die notwendig ist, um wieder auf die Beine zu kommen. Und wenn es länger anhält, solltest du dir professionelle Hilfe suchen.

 

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