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Romaneinstiege (Dan Wells)

Romaneinstiege (Dan Wells)

In seinem Workshop zu Romaneinstiegen hat Dan Wells sich mit ersten Kapiteln, ersten Seiten und ersten Sätzen beschäftigt. Denn sie sind für den Erfolg eines Buches entscheidend. Das sorgt dafür, dass viele Autoren Angst vorm Anfangen haben – um dieser Angst entgegen zu wirken, sollte man sich vor Augen führen, dass man den Anfang später immer noch umschreiben kann. Außerdem hilft es, sich darauf vorzubereiten.

Erste Kapitel

Dan beginnt mit der Frage, was der Zweck des ersten Kapitels ist.

  • Es stellt das Buch vor.
  • Es sorgt dafür, dass wir die Hauptfigur lieben.
  • Es erregt die Aufmerksamkeit des Lesers.

Die Vorstellung

Bei der Vorstellung des Buches geht es um

  • die Hauptfigur (siehe weiter unten)
  • das Setting
  • das Thema
  • der emotionale Konflikt

Hauptfigur und Setting in den ersten Seiten zu etablieren, liegt nicht fern. Die meisten Geschichten beginnen mit der Hauptfigur an irgendeinem Ort. Auf das Thema und den emotionalen Konflikt möchte ich noch kurz eingehen:

Das Thema

Das Thema beantwortet die Frage: “Worum geht es in der Geschichte?”

Zu Beginn vermittelt die Beziehungsfigur das Thema der Geschichte, erst am Ende bringt der Protagonist das Thema selbst zum Ausdruck. Gewissermaßen als Lektion, die er gelernt hat.

Der emotionale Konflikt

Der emotionale Konflikt ist ein innerer Konflikt und erfordert, dass die Hauptfigur (oder eine andere Figur) sich verändert, um ihm zu lösen. Neben dem emotionalen Konflikt gibt es noch den Plot-Konflikt, der von außen kommt, jedoch im ersten Kapitel noch nicht zum Tragen kommt.

Die Hauptfigur

Warum sind unsere Lieblingsfiguren unsere Lieblingsfiguren? Wie wurden sie in die Geschichte eingeführt?

Diese Frage hilft uns dabei, Möglichkeiten zu finden, wie wir unsere eigenen Figuren gestalten und vorstellen können. 

Einige hilfreiche Strategien, um eine Figur sofort sympathisch zu machen

  • Sie tut etwas, was wir selbst gerne tun würde (aber es uns nicht trauen oder es nicht können)
  • Sie tut oder sagt etwas, was wir cool finden
  • Sie ist wirklich gut in dem, was sie tut
  • Sie zeigt eine Eigenschaft, die wir bewundern (z.B. Hilfsbereitschaft)

Wichtig ist hierbei, dass man nicht die Zeit des Lesers verschwendet. Keine ausschweifenden Erklärungen, sondern gleich Action, Bewegung und ein schnelles Tempo. Wenn man etwas demonstrieren kann, sollte man es nicht beschreiben. Und wenn man sagt, dass etwas wichtig ist, sollte man auch zeigen warum!

Eine weitere Art von Hauptfigur ist der Stellvertreter des Lesers. Sie sind zu Beginn bewusst flach und uninteressant gehalten, damit die Leser problemlos in ihre Haut schlüpfen können. Ein Beispiel wäre Harry Potter, der im Vergleich zu den anderen Figuren am Anfang blass wirkt. Ein anderes Bella Swan, die als Figur selbst sehr langweilig ist. Damit kann man also auch sehr erfolgreich sein, aber diese Figuren werden in der Regel nicht zu den Lieblingsfiguren der Leser. Und da sie selbst eher langweilig ist, muss der Rest sehr cool sein, um die Aufmerksamkeit der Leser zu erregen.

Aufmerksamkeit erregen

Und da sind wir auch schon bei der Frage: Warum ist das Buch, das man schreibt, cool? An dieser Stelle sollte man nicht Bescheiden sein, sondern ehrlich mit sich sein und festhalten, was man selbst an der Geschichte so cool findet, dass man sie schreiben will.

Die Aufmerksamkeit des Lesers erregt man durch

  • eine fesselnde Erzählstimme – Manchmal reichen einzelne Wörter und Sätze aus, um einen großen Eindruck beim Leser zu hinterlassen. Wenn man durch einen ungewöhnlichen Sprachgebrauch heraussticht, muss man sich auch bewusst sein, dass man ihn das gesamte Buch über durchhalten muss.
  • eine fesselnde Welt – In Geschichten wie Harry Potter, Herr der Ringe oder Star Trek sind es nicht nicht nur Handlung und Figuren, die den Leser/Zuschauer faszinieren, sondern die gesamte Welt, die aufgebaut wird.
  • Figuren, die unerwartet eindrucksvoll sind. Das kann man erreichen, indem man mit den Erwartungen spielt.
  • verlockende, quälende oder auch kontroverse Fragen, die aufgeworfen werden.
  • etwas, was wir noch nie gesehen haben (was leider eher schwierig zu finden ist)
  • etwas, was wir bereits gesehen haben, aber noch nie auf diese Weise (das sollte ohnehin das Ziel sein!)

Das Fazit ist: Das erste Kapitel ist ein Versprechen, dass man auch einhalten sollte.

Prologe

Ein Wort an dieser Stelle noch zu Prologen: Sie haben ihren Platz in der Geschichte und viele Geschichten beginnen mit einem Prolog, nur dass sie ihn nicht so nennen. (Also muss man ihn auch nicht so nennen, wenn man die Anti-Prolog-Fraktion nicht sofort verschrecken will ;-) )

Der Prolog erfüllt die narrative Funktion, die Grundlagen der Geschichte zu etablieren, bevor die Handlung wirklich anfängt. Das kann ein eigenes Kapitel sein oder die ersten Absätze des ersten Kapitels. (Ein Beispiel dafür ist der Einstieg in “Anansi Boys” von Neil Gaiman) 

Erste Seiten und erste Sätze

Das Ganze gilt analog auch für die ersten Seiten und auch die ersten Sätze der Geschichte. Man sollte so viele coole Sachen reinstopfen, wie es nur möglich ist ;-)

Aber man sollte sich auch keine zu großen Gedanken um die ersten Zeilen machen – es muss nicht immer gleich der erste Satz sein, der große Furore macht, solange es irgendetwas in den ersten Zeilen gibt, was die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht. 

Ein kleiner Fragebogen zu Anfängen

Einmal zusammengefasst: Um sich auf das erste Kapitel vorzubereiten, hilft es, folgende Fragen zu beantworten:

Was ist der Plot-Konflikt der Geschichte?

Was ist der emotionale Konflikt der Hauptfigur?

Wer ist die Hauptfigur?

  • Warum lieben wir die Hauptfigur?
  • Wie kann man die liebenswerten Eigenschaften der Hauptfigur im ersten Kapitel zum Ausdruck bringen?

Was ist das Setting?

Warum ist das Buch cool?

  • Wie kann man das im ersten Kapitel zeigen?

 

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