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Recherche – ihre Grenzen und ihre Möglichkeiten

Recherche – ihre Grenzen und ihre Möglichkeiten

Meine Reise nach New York sollte ja vor allem einem Zweck dienen: Der Recherche für meine kommenden Bücher.
Der Großteil der „Raving Hearts“-Reihe sowie „Die Saiten meines Herzens“ spielten bereits in New York, bevor ich jemals einen Fuß hineingesetzt hatte. Einfach, weil ich mir keine andere Stadt vorstellen konnte, in der die Geschichten hätten spielen können. Da habe ich mich beim Schreiben auf das Verlassen, was ich in Büchern und im Internet über die Stadt recherchiert hatte. Aber für die kommenden Bücher hatte ich dann doch das Verlangen, etwas authentischer sein zu können. Und ich war neugierig, in wieweit meine Recherche mit der Realität mithalten konnte.
Erste Erkenntnis: Man kann vieles im Internet recherchieren, aber manchmal stellt man dann vor Ort fest, dass Google Maps gelogen hat. Oder dass die Fotos, die man mühsam gefunden hatte, das ganz anders erscheinen ließ, als in der Realität. Konkret lag ein Springbrunnen nicht da, wo ich ihn verortet hatte und zu einem kleinen Park am Ufer des East Rivers kam man nur über mehrere Straßenüberführungen. Tja, dumm gelaufen, aber während einer Bustour zu verschiedenen Filmschauplätzen kam ich zu dem Ergebnis, dass das auch gar nicht soo schlimm war.
Zweite Erkenntnis: Für die Geschichte ist es manchmal auch okay, die Realität ein bisschen zu verbiegen und von Fakten abzuweichen, wenn es der Dramaturgie zugute kommt.
Die „Großen“ machen das schließlich auch. Ganz abgesehen davon, dass es den Avengers Tower in New York natürlich gar nicht gibt (tatsächlich steht dort das MetLife Building), wurde bei dem finalen Kampf auf dem Pershing Square die Lage des Cafés digital verändert, damit man hübscher reinzoomen und Reflektionen auf dem Schaufenster zeigen konnte. Das Peter Parker in der Spider Man Trilogie seine schäbige kleine Wohnung nie bezahlen konnte, liegt vermutlich daran, dass sie in einer viel zu guten Gegend von Manhatten liegt. Gleiches gilt für die Wohnung von Jessica Jones – oder wie mein Tour Guide meinte: „Sie kann sich wahrscheinlich keine Möbel leisten, weil die Wohnung ein Vermögen im Monat an Miete kostet“.
Davon, dass die Laborarbeit, die man bei CSI & Co. sieht, um einiges länger als im Fernsehen dauern sollte, fange ich erst gar nicht an ;)
Aber auch wenn man es nicht immer 100%ig genau nehmen muss, hat Vorortrecherche den großen Vorteil, dass man das Setting authentischer darstellen kann, als wenn man es nur von Fotos kennt. Denn wenn man einmal da war, weiß man, wie es dort riecht, wie die Luft schmeckt, wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt, wie sich die Menschen verhalten, und viele andere Sinneseindrücke, die man von Fotos nicht mitnehmen kann.
Aber was für mich viel eindrücklicher war: Die Inspiration zu neuen Dingen, die man an jeder Ecke mitnimmt. So viele Dinge, auf die man zufällig stößt und die neue Ideen sprudeln lassen. Kleine Details und Begegnungen, die die Atmosphäre dichter, die Geschichte lebendiger machen, da sie ihr Aspekte hinzufügt, die nicht nur streng vom Plot getrieben sind.
Für mich hat sich die Reise nach New York unter dem Gesichtspunkt mehr als gelohnt und ich freue mich schon auf meine nächste Recherche-Reise und die Dinge, die ich dort entdecken werde.

 

2 Antworten

  1. Eluin sagt:

    Sehr spannend. Du sprichst da ein Thema an, das mich auch sehr beschäftigt. Wie perfekt muss es sein, damit es authentisch wirkt. Ich denke auch, dass wir als Künstler die Realität so verzerren dürfen, wie es für unsere Werke passt. Dennoch ist es gut, die Realität zunächst zu kennen und zu erleben.
    Ich freue mich, dass du eine tolle Reise hattest!

    • Dahlia sagt:

      Da stimme ich dir voll zu – wie auch bei den Schreibregeln ist es besser, wenn man sich damit auskennt, bevor man sie dehnt oder bricht. Das Bewusstsein dafür, dass man etwas auslässt oder verfälscht, finde ich da auch sehr wichtig.
      Ich bin auch immer noch ganz glücklich und freue mich aufs nächste Mal :)

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