[WXR17] Tag 4: Und Action!

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Den vierten Tag verbrachten wir auf See und ich habe die Zeit größtenteils zum Schreiben genutzt, da die Tageschallenge war, möglichst viel Zeit an den eigenen Projekten zu arbeiten.

Zwischendurch gab es aber auch ein paar Programmpunkte, von denen ich an vieren teilgenommen habe:

  1. Mini-Workshop „How to read aloud“
  2. Guided Writing with Dan Wells
  3. Wesley Chu: „Deep Dive on Action“
  4. Costume Contest

Beim letzte Programmpunkt war ich aber nur als Zuschauer dabei. Es gab einige tolle Kostüme, ich habe auch ein paar Fotos gemacht, aber ich habe vergessen, nachzufragen, ob ich sie veröffentlichen darf. Deswegen müsst ihr mir einfach glauben, dass eine richtig geniale Wonder Woman da war 😉

How to read aloud

Da an dem Abend ein „Lightning Reading“ stattfand (bei dem ich dann aber in der Bibliothek saß und fleißig in die Tasten haute – es war übrigens sehr schön, dass niemand einen schief ansah, wenn man lieber alleine rumsaß und schrieb, statt sozial zu sein <3 aber weiter im Text …), hat Mary morgens einen kurzen Workshop dazu gehalten, wie man am besten laut vorliest.

Drei häufige Fehler

Mary hat drei häufige Fehler genannt und wie man sie vermeiden kann

  1. Lautstärke: Man tendiert dazu, mit der Person zu reden, die am nächsten von einem sitzt, und ist daher viel zu leise. Wenn man dagegen zu der Person spricht, die am weitesten entfernt ist, redet man meistens automatisch laut genug. Man merkt, dass man laut genug spricht, wenn man ein leichtes Echo hört.
    Wenn man in ein Mikrophon spricht, muss man darauf achten, dass man es auch wirklich auf den Mund richtet, während man spricht.
  2. Geschwindigkeit: Durch das Adrenalin im Blut und dadurch, dass man selbst den Text gut kennt, spricht man meistens zu schnell. Da die Zuhörer die Geschichte nicht kennen, muss man langsamer sprechen. Mary hat dazu geraten, dass man sich darauf trainiert, ca. 150 Worte pro Minute vorzulesen – man wird für sich selbst sehr langsam klingen, aber der Leser wird gut folgen können.
  3. Leiern: Man sollte darauf achten, einen Text nicht monoton herunterzubeten. Die Stimme sollte je nach Betonung herauf und herunter gehen. Man sollte die Geschichte im Blick halten und betonen, was wichtig ist.

Die richtige Wahl

Wenn man einen Text für eine Lesung wählt, sollte man eine Geschichte auswählen, die zur eigenen Stimme passt. Wenn die Hauptfigur ein anderes Geschlecht hat, als man selbst, sollte man das vorher erwähnen.

In dem gewählten Abschnitt sollten möglichst wenige Figuren auftreten, die auch möglichst unterschiedlich sind, damit Leser gut folgen können. Die Szene sollte für sich genommen unterhaltsam sein. Am besten sucht man sich eine Stelle aus, die ein gutes Ende wäre (etwas mit einem Kniff oder auch ein guter Cliffhanger) und geht von dort aus zurück.

Was man zum Verständnis wissen muss, kann man als kleine Zusammenfassung vorausschicken (Im Stil von: „Um die Geschichte zu verstehen, müssen Sie folgendes wissen: …“). Die sollte man ebenfalls vorgeschrieben haben, damit man weiß, wie viel Zeit man dafür braucht und sich auch nicht verhaspelt.

Intonierung

Figuren sollte man am besten mit unterschiedlichen, zu ihnen passenden Stimmen lesen.

Ein Text klingt gelungener, wenn man an den richtigen Stellen kurze Pausen macht. Marys Faustregel sieht dabei wie folgt aus:

  • Komma – bis eins zählen
  • Punkt – bis zwei zählen
  • Absatz – bis drei zählen 

Man kann ebenfalls mit Betonungen arbeiten, damit der Text lebendiger klingt – nicht jedes Wort ist für die Geschichte gleich wichtig und in jeder Zeile gibt es etwas, was heraussticht und dem man ein bisschen mehr Bedeutung geben kann. 

Guided Writing with Dan Wells

Die Schreibübung mit Dan war sehr lustig. Unsere Aufgabe war es, eine spannende Kurzgeschichte zu schreiben – ausgehend von Writing Prompts, die Dan uns alle sieben Minuten gab. Dazu zog er zufällige Karten aus einem Spiel (leider hab ich mir nicht notiert, wie es hieß *hust*), die kurze Anweisungen enthielten, was als nächstes in der Geschichte vorkommen sollte. Zum Beispiel „Ein unschuldiger oder überraschter Gesichtsausdruck“ oder „Eine Verschwörung“.

Ich konnte meine Geschichte nicht ganz zu Ende führen, aber es hat großen Spaß gemacht. 

Deep Dive on Action

Wesleys Vortrag begann mit zwei Grundregeln:

  1. Wir müssen genug wissen, um glaubhaft zu schreiben
  2. Vermassle nie Pferde und Pistolen – irgendein Leser weist dich immer zurecht 

Danach folgte die große Frage:

Was ist eine Actionszene?

Die Antwort darauf war nicht so einfach, aber wir kamen zu dem Schluss, dass eine Actionszene, eine Szene ist, in der

  • etwas passiert
  • etwas auf dem Spiel steht
  • der Plot vorangetrieben wird
  • sich etwas verändert
  • eine Figur gezwungen wird, zu handeln, statt nur zu überlegen

Eine Actionszene sollte immer mehr als nur einen Zweck erfüllen. Sie sollte also nicht nur spannend und aufregend sein, sondern Veränderung bringen, Konflikte auflösen, Figuren charakterisieren oder dem Weltenbau dienen.

Actionszenen sollten Auswirkungen auf die Figuren haben und nicht bedeutungslos an ihnen vorbeiziehen. Die Figur sollte verarbeiten, was passiert ist – ein Kampf um Leben und Tod geht an niemandem spurlos vorbei. Besonders nicht, wenn man selbst getötet hat oder eigene moralische Grenzen überschreiten musste. So können Actionszenen hervorragende Mittel sein, Figuren zu charakterisieren und sie wachsen zu lassen. Auch in der Szene selbst dadurch, wie sie Kämpfen und den Kampf wahrnehmen.

Actionszene sollten auch nie dazu dienen, die eigentlichen Probleme der Geschichte zu überdecken. Wenn die Handlung vor und nach der Actionszene langweilig ist, hilft es auch nicht, Figuren zu töten oder eine Verfolgungsjagd einzufügen, da das nicht mehr als Augenwischerei ist.

Bestandteile einer Actionszene

Actionszenen sollte vor allem eins haben: Spannung. Deswegen sollten sie nicht zu lang und unzusammenhängend sein. Etwas, woran einige Actionfilme kranken, wo epische Schlachten so sehr in die Länge gezogen werden, um tolle Special Effects zu zeigen, aber die Handlung dadurch ins Stocken gerät.

Um Spannung aufzubauen, muss 

  • es einen Konflikt geben,
  • etwas auf dem Spiel stehen und
  • die Figuren emotional betroffen sein.

Die Actionszene muss einen bleibenden emotionalen Eindruck hinterlassen.

Choreographie einer Actionszene

Beim Aufbau einer Actionszene kommt es nicht nur auf die Bewegungen an. Man muss auch bedenken, in welchem Terrain gekämpft wird und wie das die Figur beim Kampf beeinflusst. Oder wie lange die Figur mit den gegebenen Waffen überhaupt kämpfen kann – Schwerter sind nicht leicht, Rüstungen ebenfalls.

Die Bewegungsabläufe selbst sollten realistisch sein, aber es wird langweilig, wenn man sie zu genau wiedergibt. Deswegen rät Wesley, dass man es so simpel wie möglich halten soll und sich auf einfache Bewegungen beschränkt, statt zu sehr ins Detail zu gehen. Er rät ebenfalls dazu, sich an der „Rule of Three“ zu orientieren: Nach drei Schlägen kann eine Pause folgen mit einem kurzen Dialog und Zeit, nachzudenken und Atem zu holen – auch in der Realität hat man selten die Ausdauer für mehr als einen kurzen Schlagabtausch. Man sollte auch nicht mehr als drei der fünf Sinne unterbringen, um die Szene nicht zu überfrachten.

Generell sollten jedoch nicht die Bewegungen oder die Sinneswahrnehmungen im Fokus stehen: Der sollte auf dem Aufbauen der Emotionen im Vorfeld und der Reflexion im Nachhinein liegen – denn meistens sind Kämpfe nach dem ersten Schlagabtausch vorbei und was wirklich zählt ist das, was sich durch den Kampf verändert hat.

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