[WXR17] Tag 2: Schreiben trotz Ablenkungen und Angst

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Am Samstag ging es an Bord, was erstmal eher unspektakulär war – auch wenn der Anblick des Schiffes schon sehr beindruckend war. Um das riesige Schiff besser kennenzulernen, wurde eine kleine Schnitzeljagd veranstaltet, bei der man die Unterrichtenden an wichtigen Orten finden sollte – Details verrate ich nicht, schließlich will ich zukünftige Teilnehmer nicht spoilern 😉 Es war auf jeden Fall sehr amüsant und man hat schon ein paar neue Kontakte geknüpft.

Danach standen noch zwei wichtige Punkte auf dem Programm (bzw. für den Blog relevante Punkte – ich war außerdem noch im Fitnessstudio 😉  ):

  • Guided Writing with Mary: Learning to Write through Distraction
  • Emma Newman: Fear and Writing

Guided Writing with Mary: Learning to Write through Distraction

Ablenkungen sind einer der großen Feinde, denen man sich immer stellen muss, wenn man schreiben will. Dabei unterscheidet man zwischen inneren und äußeren Barrieren, also Störungen, die von innen (z.B. abschweifende Gedanken, fehlender Fokus) oder außen kommen (z.B. Rückenschmerzen durch eine falsche Schreibumgebung, störende Geräusche).

Es ist wichtig sich dieser Störungen bewusst zu werden und Taktiken zu entwickeln, gegen sie vorzugehen.

Den Fokus kann man zum Beispiel dadurch finden, dass man mit der Pomodoro Technik arbeitet – also in Intervallen von fünfundzwanzig Minuten konzentrierter Arbeit gefolgt von fünf Minuten Pause. Dadurch, dass man sich eine Pause in Aussicht stellt, ist das Gehirn gleich viel kooperativer.

Gegen Rückenschmerzen kann ein Stehpult helfen oder regelmäßige Pausen, in denen man sich etwas bewegt (das lässt sich gut mit der Pomodoro-Technik verbinden). Störende Geräusche kann man mit weißem Rauschen ausblenden.

Emma Newman: Fear and Writing

Schreiben ist häufig mit Angst verbunden – ein Problem, mit dem ich häufig kämpfe, wenn ich mich in ein neues Projekt stürze oder nach einer kurzen Pause wieder schreiben will.

Emmas Workshop hat nicht nur ein paar Möglichkeiten aufgezeigt, mit der Angst umzugehen, sondern mir auch gezeigt, dass ich mit meinen Ängsten nicht alleine bin. Es war ein sehr beruhigendes Gefühl, in einem Raum mit dutzenden anderen zu sitzen, die mit den gleichen Problemen kämpfen.

Eines der Symptome von Angst ist Prokrastination – wenn ihr also auch damit kämpft, überhaupt anzufangen, oder dazu neigt, euch schnell ablenken zu lassen, solltet ihr überlegen, ob da vielleicht mehr dahinter steckt, als „Faulheit“.

Emma hat in ihrem Workshop drei Wurzeln der Angst identifiziert, die zu dem lähmenden Gefühl führen können, dass man einfach nicht mit dem Schreiben anfangen kann.

  • Die Wunden, die einem im Laufe des Lebens zugefügt wurden. Gerade Erlebnisse in der Kindheit und Jugend können lange Nachwirken und die Grundlage dafür sein, dass man auch als Erwachsener an sich zweifelt.
  • Die Angst, zu versagen. Hierzu zählt
    • die Angst, zu versagen, weil man sein Ziel nicht erreicht und „Zeit verschwendet“,
    • die Frage nach der Identität als Autor (bin ich noch ein Autor, wenn ich nicht gut schreibe?) und
    • die Angst davor, einen Teil von sich nach außen zu kehren und dafür beurteilt zu werden.
  • Die Angst, erfolgreich zu sein. Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich klingen – warum sollte man sowohl davor Angst haben, etwas zu schaffen? Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, bringt auch der Erfolg Dinge mit sich, die Angst auslösen können:
    • Was, wenn man nach dem ersten Erfolg nicht nachlegen kann? (Ich sage nur „One Hit Wonder“)
    • Wird der Erfolg mein Leben auf eine positive Weise verändern?
    • Erfolg bringt Aufmerksamkeit – die ganze Welt beurteilt plötzlich, was man geschrieben hat
    • Erfolg kann bedeuten, dass man mehr in die Öffentlichkeit muss, als man will (Lesungen, Preisverleihungen, Autogrammstunden)

Welche Möglichkeiten gibt es jetzt, mit der Angst umzugehen?

Der erste wichtige Schritt ist, sie als das anzuerkennen, was sie ist: Ein Überlebensmechanismus des Körpers, der einen vor potentiellen Schaden schützen will – aber manchmal übertreibt sie damit. Hier hilft es, wenn man sich konkret fragt, warum man gerade Angst vor dem Schreiben hat. Dann kann man als nächstes mit der Angst verhandeln und sich zum Beispiel bewusst machen, dass der potentielle Nutzen viel größer ist als der Schaden, den man erleiden könnt. Oder man beruhigt die Angst damit, dass man sich vornimmt, erstmal kleine Schritte zu tun.

Perfektionismus ist auch eine versteckte Angst, gerade nicht perfekt zu sein. Hier kann es helfen, wenn man sich bewusst erlaubt, Mist zu schreiben oder sich sogar vornimmt, schlecht zu schreiben.
Schließlich ist das wichtigste, dass man überhaupt schreibt!

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