[Aus der Schreibwerkstatt] Wie organisiert man ein Roman-Projekt – Teil 2

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In der letzten Woche habe ich von den ersten Phasen erzählt, die zur Organisation eines Romanprojekts gehören.

In dieser Woche beschäftige ich mich mit den letzten drei Phasen.

Phase 3: Die Produktion

Die Produktion ist die Phase, in der man all das umsetzt, was man in der Zeitplanung so schön geplant hatte, also alle Schritte von der ersten Recherche bis hin zur Veröffentlichung.

In dieser Phase ist es wichtig, seine Produktivität zu dokumentieren, indem man tägliche Wortzahlen und/oder Arbeitszeit misst. Das ist sehr nützlich für Phase 4, wo es um das Beobachten und Anpassen des Zeitplans geht.

Besonders beim Schreiben kann man leicht ins Stocken geraten, deswegen möchte ich euch hier ein paar Strategien nennen, die dabei helfen, den Zeitplan einzuhalten:

  • Ihr müsst nicht chronologisch schreiben – wenn es stockt, könnt ihr euch eine einfache Szene raussuchen, und damit weitermachen, bis es wieder besser läuft
  • Wenn die Zeit knapp wird, könnt ihr Handlung oder Subplots streichen, die nicht notwendig sind
  • Überlegt, was die Schreibzeiten stört und überlegt euch, wie ihr die Störungen beseitigen könnt
  • Sucht euch einen Schreibpartner, dem ihr Rechenschaft ablegen müsst und der euch unterstützt  (oder am besten ein ganzes Team)
  • Versucht zu diktieren, statt zu schreiben – die Art, wie man „schreibt“ zu ändern, kann dabei helfen, den Knoten platzen zu lassen.
  • Versucht schneller zu schreiben – mit mehr Fokus, weniger Ablenkung und, falls ihr plottet, einer Outline als Unterstützung. Cold Turkey Writer ist eine Software, die euch dabei sehr gut unterstützen kann, fokussierter zu schreiben.

Insgesamt ist es sehr wichtig, sich vor Prokrastination zu schützen, also davor, Dinge aufzuschieben und stattdessen unwichtige Dinge zu erledigen. Einige mögliche Strategien, Prokrastination zu überwinden, wären

  • Sicherstellen, dass man sich nicht von seinen Aufgaben überfordert fühlt. Prokrastination ist einer der ersten Reflexe, wenn es einem zu viel wird, deswegen sollte man erstmal überprüfen, ob die Ziele vielleicht unrealistisch sind und es daran liegt, dass man sich vor der Arbeit drückt.
  • Eine Liste erstellen, warum man Schwierigkeiten mit dem anfangen hat – diese Selbstreflexion hilft dabei, herauszufinden, wo die eigentlichen Probleme liegen.
  • Geht noch einmal eure Aufgaben durch und unterteilt sie in kleinere Teilschritte, damit es schneller Erfolgserlebnisse gibt.
  • Ändert eure Umgebung – jeder hat eine Arbeitsumgebung, in der er am produktivsten ist.
  • Versucht, euch nicht vom Perfektionismus einschüchtern zu lassen und verbannt negative Glaubenssätze wie „Ich kann das nicht“ aus eurem Wortschatz
  • Arbeitet mit der Pomodoro-Technik, d.h. 25 Minuten fokussiertes arbeiten wechselt sich mit fünf minütigen Pausen ab. Dadurch, dass ihr wisst, dass bald wieder Zeit für eine kleine Pause ist, ist die Versuchung kleiner, während der Arbeitszeit zu faulenzen.

Wenn ihr viele andere Verpflichtungen habt, kann euch Timeboxing, also das feste einplanen geblockter Schreibzeiten, ebenfalls dabei helfen, produktiver zu schreiben. Wenn ihr ein Frühaufsteher seid, bietet sich hier die Zeit morgens vor der Arbeit an, da man dort nur selten von sozialen Verpflichungen abgelenkt wird.

Phase 4: Beobachten und Anpassen

Die vierte Phase läuft parallel zur dritten.

Es ist wichtig, die Übersicht über die Aufgaben zu bewahren, die bereits erledigt sind und noch erledigt werden müssen, sowie die geschätzte benötigte Zeit. Dadurch behält man sein Ziel im Auge und ist motivierter, wenn man im Zeitplan liegt. Zudem gibt es mir immer so ein kleines Gefühl, wirklich professionell zu sein. 😉

Man sollte den Zeitplan jedoch nicht zu häufig kontrollieren, da das auch zu einer Form der Prokrastination führen kann – ich weiß, wovon ich rede, schließlich arbeite ich gerade mit der fünften revidierten Fassung meiner Jahresplanung 😉

Was sollte man tun, wenn man dem Zeitplan voraus ist? Auf keinen Fall sollte man einen ungeplanten Urlaubstag nehmen, da man nie weiß, was später im Verlauf noch passieren kann. Stattdessen einfach weiterarbeiten. Gefeiert wird erst, wenn man wirklich fertig ist. Dann kann man es auch mit gutem Gewissen tun.

Und was sollte man tun, wenn man im Zeitplan hinterherhinkt? Zuallererst: Ruhe bewahren. Dann sollte man überprüfen, wie viel Zeit noch zur Verfügung steht und die neu auf die noch notwendigen Aufgaben umlegen. Das bedeutet, dass man zum Beispiel weniger Zeit für jedes Kapitel hat – entweder schreibt man schneller oder man kürzt inhaltlich.
Man sollte außerdem überprüfen, ob man irgendwelche Aufgaben streichen oder zusammenfassen kann. Außerdem kann man seine Arbeitszeiten noch einmal in Augenschein nehmen: finden sich noch Zeiten, an denen man zusätzlich arbeiten könnte, ohne dass Schlaf und Wohlbefinden darunter leiden?

Allgemein gilt: Stay calm and keep writing!

Tipp: Zur Zeiterfassung nutze ich das kostenlose Tool toggl. Damit kann man Plattformübergreifend seine Arbeitszeit dokumentieren. Auf Basis der gesammelten Daten kann man die benötigte Zeit für folgende Projekte besser einschätzen.

Phase 5: Das Projekt planmäßig abschließen – Retrospektive

Sobald man das Projekt – hoffentlich – innerhalb der Deadline abgeschlossen hat, ist die Arbeit noch nicht getan. Jetzt heißt es, über das zu reflektieren, was gut oder nicht gut funktioniert hat. Denn nur wenn man aus alten Fehlern lernt, kann man es beim nächsten Mal besser machen.

Weiterführende Literatur

  • Tonya D. Price: Meeting the Writer’s Deadline.

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