[Bloggeflüster] Selbstbilder

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Ich hatte immer ein bestimmtes Bild davon, welche Art von Autorin ich werden wollte. Ich wollte anspruchsvolle, hochkomplexe Fantasy schreiben. Sozialkritische Geschichten, die etwas bewirken. Großartige Thriller, die unter die Haut gehen.

Romantik und Kitsch? Nein, Danke! Das ließ sich doch nicht mit den großen Meisterwerken vereinbaren …

Doch dieser „Anspruch“, den ich in mich selbst stellte, hätte mir fast das Schreiben verleidet.

Es fiel mir immer sehr schwer, mir einzugestehen, dass ich gerne Liebesgeschichten schreibe, da ich absolut keine Romanzenleserin bin – vielleicht, weil viel zu oft das Frauenbild keines war, mit dem ich mich anfreunden konnte. Wenn ich an Twilight denke, rollen sich mir immer noch die Zehennägel hoch. Von Fifty Shades of Grey fange ich erst gar nicht an. Das gängige Frauenbild war da sicher auch ein Faktor, dass ich im Gay Romance Genre mein Zuhause gefunden habe.

Dazu kam, dass es mir manchmal im Kontakt mit anderen Autoren vermittelt wurde, dass es „hochwertiger“ ist, keine Romantik zu schreiben. Oder das romantische Unterhaltungsromane gleichbedeutend mit minderer Qualität ist.

Eine Einstellung, die vielleicht auch ein bisschen dem furchtbaren Frauenbild in einigen Liebesromanen zu verdanken ist, und die Gegenreaktion auslöste, statt guter Liebesgeschichten einfach gar keine mehr zu schreiben. Gerade auch, weil eine starke Frau keinen Mann braucht – was aber im Umkehrschluss auch nicht heißt, dass sie keinen haben darf, oder?! Wobei ich natürlich auch kein Verfechter davon bin, dass in jede Geschichte unbedingt auch eine Liebesgeschichte rein muss, aber sie wird dadurch auch nicht zwingend schlechter.

Aber ich weiche gerade leicht vom Thema ab, denn hier geht es ja um mich 😉 Aber jedenfalls setzte ich dank einiger der obigen Überlegungen den Anspruch an mich selbst etwas „Besseres“ zu schreiben und keinen so starken Fokus auf Romantik zu legen.

Was zum einen dafür sorgte, dass ich daran verzweifelte, mir immer größere Rätsel und atemberaubende Twists zu überlegen, die mir einfach nicht kommen wollten und mich daran zweifeln ließen, ob ich es jemals zu einer guten Autorin schaffen würde. Schließlich waren meine Geschichten nicht überraschend und voller raffinierter Wendungen, sondern bauten mehr aufs Zwischenmenschliche.

Was zum anderen aber auch schlicht absoluter Unsinn ist, da man ein ganzes (Unter-)Genre nicht an ein paar Negativbeispielen messen sollte. In jedem Genre gibt es schließlich (persönliche) Flops und jedes Genre hat seine eigenen Anforderungen und Regeln. Jedes Genre ist für sich betrachtet gleich viel wert und nicht besser oder schlechter als andere. Auch kitschige Romantik ist eine Kunst für sich und hat ihre eigenen Herausforderungen.

Herausforderungen, denen ich mich aktuell eher gewappnet fühle, als das nächste „Lied von Eis und Feuer“ zu schreiben. Leichte Unterhaltungsromane machen mir auch einfach mehr Freude, als grim & gritty Fantasy oder psychologische Thriller (was vielleicht auch einfach daran liegt, dass die Weltlage schon deprimierend genug ist, dass ich mich nicht auch noch in meiner Freizeit herumquälen will …). Aber  auch wenn ich eher leichte Unterhaltung fürs Herz schreiben möchte, versuche ich doch, auch noch ein bisschen Tiefgang mit reinzulegen. Wie gut mir das gelingt, liegt im Auge des Lesers – so oder so hoffe ich aber, ihm ein paar schöne Lesestunden beschert zu haben.

Kurz: Ja, ich schreibe gerne kitschige Romantik. Es macht mir mehr Spaß, zwei Menschen zusammen glücklich werden zu lassen, als Welten zu retten und Intrigen mit drei Millionen Twists zu spinnen. Die Konflikte und Abenteuer im kleinen, beschaulicherem haben es mir da einfach mehr angetan. Deswegen wird es in Zukunft auch mehr fürs Herz von mir zu lesen geben und die epischen Abenteuer spare ich mir spätere Zeiten auf. 😉

 

 

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