[Aus der Schreibwerkstatt] Wie organisiert man ein Romanprojekt? – Teil 1

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Früher habe ich einfach drauflos geschrieben, wenn mich die Idee für einen neuen Roman packte. Ich hab mich ins Plotten gestürzt, Figuren entwickelt, hier und da ein bisschen geschrieben – es herrschte ein großes Chaos. Chaos ist kreativ und kann Spaß machen, aber wenn man vom Schreiben leben will, kommt irgendwann der Punkt, dass man organisierter werden muss.

Projektmanagement für Autoren

Wenn das Schreiben mehr als ein Hobby sein soll, kommt man irgendwann an den Punkt, dass man sein Vorgehen professionalisieren muss. Ein wichtiger Schritt ist es, Deadlines einzuhalten – entweder die, die einem der Verlag setzt, oder die, die man sich als Selfpublisher selbst setzt, damit man im nächsten Monat auch noch seine Miete bezahlen kann.

Es fällt leichter, Deadlines zu setzen und einzuhalten, wenn man

  • sich über die einzelnen Arbeitsschritte bewusst ist
  • abschätzen kann, wie lange man für die einzelnen Aufgaben benötigt.

Der Fokus in diesem Blogartikel liegt auf den einzelnen Phasen, in die sich ein Buchprojekt unterteilt, und worauf man in jeder Phase achten muss.

Phase 1: Ideensammlung

Am Anfang eines jeden Projekts steht eine Idee. Diese erste und unkritische Phase des Buchprojekts bereitet das Schreiben vor. Hier hält man für sich (und ggfs. für einen Verlag) fest, welche Geschichte man schreiben will und warum.

Phase 2: Der Zeitplan

Sobald man sich für eine Idee entschieden hat, stellt man einen Zeitplan auf. Dazu sollte man sich aller Schritte bewusst sein, die zur Produktion eines Buches notwendig sind – denn das ist mehr als „nur“ Schreiben. Je nachdem, ob man Selfpublisher oder Verlagsautor ist, fallen verschiedene weitere Punkte darunter:

  • Recherche
  • Figurenentwicklung
  • Plotentwicklung
  • Schreiben
  • Überarbeitung
  • Rückmeldung der Beta- und Testleser
  • Lektorat und Korrektorat
  • Cover Design
  • Buchsatz
  • Veröffentlichung und Distribution

Die letzten drei Punkte fallen bei Verlagsautoren weg und können von Selfpublishern teils ausgelagert werden.

Marketing und Leserinteraktionen zählen generell nicht dazu, da sie auch unabhängig von dem konkreten Projekt anfallen. Nur explizit auf das Buch bezogene Marketing-Maßnahmen (Blogtouren, Leserunden etc.) werden hier mit eingeplant, wobei sie unter den Punkt „Veröffentlichung“ fallen.

Schreibt man sein erstes Buch, dann ist es sehr schwierig, zu sagen, wie viel Zeit man für die einzelnen Schritte ungefähr benötigt. Hier kann man nur schätzen – und da sollte man lieber etwas pessimistischer sein, statt sich eine viel zu enge Deadline zu setzen, die man unter keinen Umständen einhalten kann.

Leider gibt es auch keine exakte Formel, mit der man im Voraus sagen kann, wie lang eine Geschichte am Ende wird. Da kann man nur auf Grundlage des erwarteten Umfangs und des eigenen Bauchgefühls Vermutungen anstellen – zum Glück wird das Bauchgefühl mit jedem abgeschlossenen Projekt zuverlässiger.

Anstatt nur eine Deadline für den gesamten „Produktionsprozess“ festzulegen oder sich an der zu orientieren, die vom Verlag festgelegt wurde, ist es sinnvoller, für jeden Meilenstein eine eigene Deadline festzulegen und die Meilensteine in kleinere ToDos zu unterteilen. Das verhindert, dass man eine Woche vor geplanter Abgabe erschrocken feststellt, dass man noch nicht einmal mit der Recherche angefangen hat. Zudem kann man so Ziele und Pläne flexibler anpassen, wenn es zu Verzögerungen kommt.

Zudem hilft es, eine Übersicht der notwendigen Aufgaben und Unteraufgaben anzulegen und den Zeitaufwand zu schätzen.

Das kann z.B. folgendermaßen aussehen:

Aufgabe geschätzte Zeit
Figurenentwicklung 20 Stunden
Charakterbogen Tom 2 Stunden
Charakterbogen Tim 2 Stunden

Hier sollte man die kalkulierte Zeit mit der tatsächlich zur Verfügung stehenden Zeit vergleichen – und hoffen, falls es eine externe Deadline ist, dass man einen Puffer hat und keinen Zeitumkehrer benötigt ;-). Falls man sich die Deadline selbst setzt, sollte man diese Schätzungen beim Festlegen der Deadline heranziehen.
Wenn man von vornherein zu wenig Zeit hat, die Deadline einzuhalten, gibt es folgende Möglichkeiten

  • eine neue Deadline verhandeln
  • Aufgaben, die man nicht selbst erledigen muss, delegieren (kostet in der Regel Geld)
  • die Qualität herunterschrauben (was man nur im äußersten Notfall tun sollte, da man es sich weder mit den Lesern noch den Verlagen verderben sollte. Man sollte niemals schluderig Arbeiten, aber manche Schritte – zum Beispiel die Überarbeiten – laden dazu ein, perfektionistisch zu sein und die Gefahr besteht, dass man darin stecken bleibt, immer wieder zu überarbeiten, obwohl die weiteren Überarbeitungsrunden die Qualität nicht mehr merklich erhöhen.)
  • kurzfristig auf Schlaf verzichten. (Die Betonung liegt hier auf kurzfristig. Ausreichender Schlaf ist sehr wichtig, um hohe Qualität abliefern zu können, und kann – auch wenn man gerne anders Lautendes hört 😉 – nur bedingt durch Kaffee ersetzt werden. Hier sollte man auch nur im äußersten Notfall ansetzen)

In diesem Schritt sollte man sich auch bewusst machen, welche Aufgaben aufeinander aufbauen und welche unabhängig voneinander erledigt werden können. Z.B. kann man parallel an Plot und Figuren arbeiten, aber nicht überarbeiten, bevor man den Text geschrieben hat. So kann man ein bisschen Flexibilität bewahren, und zwischen Aufgaben wechseln, wenn man bei einer gerade nicht vorwärts kommt (ich nennen das gerne produktive Prokrastination – meine Cover entstehen meistens, wenn ich mich gerade in eine Ecke geschrieben habe und ein bisschen den Kopf freibekommen will).

Nächste Woche geht es dann weiter mit den letzten drei Phasen:

  • Produktion,
  • Beobachten und Anpassen
  • Abschluss und Retrospektive

Weiterführende Literatur

  • Tonya D. Price: Meeting the Writer’s Deadline.

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