[Bloggeflüster] Ideale treffen Wirtschaftlichkeit

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Als ich mich vor gut zwei Jahren fürs Selfpublishing entschieden habe, war ein Hauptgrund dafür, dass ich mich und meine Geschichten nicht verbiegen wollte, um massentauglich zu sein. Ich wollte an meinen Idealen festhalten und die Geschichten erzählen, die mir am Herzen liegen.

Dennoch ist es mein Ziel, eines Tages vom Schreiben leben zu können – also muss ich auch wirtschaftlich denken. Aber passt das zusammen?

In letzter Zeit ringe ich häufiger mit der Frage, was wichtiger ist: Die Geschichten zu erzählen, die mir wichtig sind und mir unter den Nägeln brennen? Oder Geschichten zu erzählen, von denen ich glaube, dass sie die Leser eher ansprechen werden?

Der Idealfall wäre natürlich, dass einem Geschichten unter den Nägeln brennen, die sehr viele Leser ansprechen. Doch ein bisschen ist das auch Glückssache.

Um konkret zu werden: Momentan hadere ich sehr mit meiner E-Book Serie „Jäger in den Schatten“. Seit ich in letzter Zeit auf Facebook aktiver bin, habe ich dort doch einiges positives Feedback zur Serie bekommen und es ist immer schön, wenn man mit den Lesern tatsächlich Gesichter verbinden kann. Da die Rezensionen sehr spärlich ausfallen, habe ich dadurch auch erst gemerkt, dass es überhaupt Leute gibt, die sich auf die Fortsetzung freuen.

Das ist natürlich eine große Motivation – weniger motivierend sind die Verkaufszahlen und die damit einhergehenden Erlöse. Besonders, wenn man es in ein Verhältnis mit der investierten Zeit setzt. Kurz gesagt: Es lohnt sich nicht. Nicht im Geringsten. In die Nähe des Mindestlohns kommt es schonmal gar nicht und vermutlich wäre ein Ein-Euro-Job lukrativer.

Tja, was nun?

Die wirtschaftliche Entscheidung wäre da natürlich, wie es auch viele Fernsehsender und Verlage immer wieder tun: Serie absetzen und mit einem neuen Format versuchen.

Durch das Ende der ersten Staffel habe ich allerdings ein Versprechen an die Leser gegeben, das aufzulösen, weswegen ich davor zurückschrecke, die Serie einfach ad acta zu legen. Und auch mein Herz sagt mir, dass die Serie mit all den lieb gewonnenen Figuren einen würdigen Abschluss verdient hat.
Allein mein Verstand pocht darauf, dass ich ja auch meine Rechnungen bezahlen muss und immer nur Haferflocken irgendwann eintönig wird. Dass ich deswegen etwas schreiben sollte, was zumindest ein kleines bisschen massentauglicher ist (so massentauglich, wie man in der Gay Romance halt werden kann 😉 ).

Und was mache ich nun?
Aufgeben werde ich meine Jäger nicht, aber ich kann ihnen einfach keine so hohe Priorität mehr einräumen, wie anderen Projekten, die vielversprechender scheinen. Schließlich kann ich bei einer Serie nicht davon ausgehen, dass die Verkäufe auf wundersame Weise mit dem nächsten Band in die Höhe schießen.* Ein Abwärtstrend ist da ja eigentlich normal.
Deswegen werde ich zwar an der Serie weiterarbeiten, aber wie bei jedem anderen Hobby nur dann, wenn mir neben der eigentlichen „Arbeit“ noch Zeit dafür bleibt. Es wird langsamer vorwärtsgehen, aber es wird vorwärtsgehen.

*Wenn ihr die Serie gelesen habt und sie euch gefällt, ist das hier der offizielle Aufruf, fleißig für sie Werbung zu machen, um das Ruder vielleicht doch noch rumzureißen 😉

3 Kommentare

  1. Tja, Wirtschaftlichkeit versus Lieblingsprojekt…. ich persönlich könnte nicht so massentauglich schreiben, ich hätte tatsächlich keine Freude daran und würde es aus diesem Grund eben auch nicht tun…. Deswegen wird es wohl nur eine schöne Illusion bleiben, irgendwann vom Schreiben leben zu können.
    Aber, deine Bücher treffen vielleicht irgendwann den Zahn der Zeit und dann könnte es durchaus mal knallen – aus finanzieller Sicht.
    Ich kann dir nur zustimmen, ich möchte mich genauso wenig verbiegen nur um einem Verlag zu gefallen…. Geh deinen Weg, sei authentisch. Ich denke, damit hast du als SPler die größten Chancen. Und irgendwann kommen die Leser…
    Werbung ist natürlich ein wirklich großes Thema. Da würde ich sehr viel Zeit – und vllt auch Geld – investieren.
    Liebe Grüße,
    Danara

    1. Ich hab da wirklich das Glück, dass mir die Geschichten, die sich in meinem Genre gut verkaufen, auch beim Schreiben Spaß machen – ich hatte nur lange dieses Selbstverständnis, dass ich eine große epische Fantasy-Autorin werden und keine romantischen Unterhaltungsromane schreiben sollte *lach* (darüber könnte ich eigentlich auch mal einen Artikel schreiben, mhh) Momentan hoffe ich, dass die Mischung es am Ende macht und ich es so schaffe, vom Schreiben zu leben.
      Andere Bücher von mir liefen/laufen ja durchaus ganz gut und ich liege da ein gutes Stück über dem Durchschnitt (der wird auf ca. 250 E-Books im Jahr pro Selfpublisher geschätzt), nur die Serie schwächelt da im Vergleich wirklich. Aber vielleicht zieht sie wieder an, sobald ich mein nächstes, etwas „massentauglicheres“ Buch draußen habe.
      Werbung ist da wirklich so eine Sache – bisher hab ich da leider die Erfahrung gemacht, dass sie kaum etwas bringt. Ich hab da schon mehrere Aktionen mitgemacht, Gewinnspiele, Release-Parties, auch bezahlte Werbung, die sich gar nicht auf die Verkaufszahlen niedergeschlagen haben :-\ Aber ich hoffe, dass ich dadurch zumindest als Autorin im Gedächtnis geblieben bin. Das ist ja auch etwas wert.
      Liebe Grüße
      Dahlia

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