[Aus der Schreibwerkstatt] Show, don’t tell

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Eine der Grundregeln des Schreibens, die einem immer wieder begegnet ist „Show, don’t tell“ – man soll zeigen und nicht erzählen. Der moderne Leser ist von Film und Fernsehen an eine visueller Erzählform gewöhnt. Er will Geschichten erleben, und keine Informationen erhalten, deswegen müssen wir Dinge durch Handlungen beweisen, statt sie einfach nur zu behaupten.

Doch wie sieht das konkret aus?

Ein Beispiel

Gerade, wenn es um Gefühle und Empfindungen geht, neigen wir dazu, sie einfach nur zu benennen, statt sie durch eine Aktion zu demonstrieren. Zum Beispiel:

Tom war wütend.

Hier wird einfach behauptet, wie Tom sich fühlt, ohne dem Leser zu zeigen, wie sich die Wut bei Tom äußert.  Dabei ist das ein ausgezeichnete Möglichkeit, Tom näher zu charakterisieren. Schließlich sind wir alle auf unterschiedliche Weise wütend.

Hier drei Beispiele, wie unterschiedlich sich Toms Wut äußern könnte:

Tom donnerte seine Faust auf den Tisch. Seine Nasenflügel bebten und er presste die Lippen zu einer dünnen Linie aufeinander.

oder

Tom verschränkte die Arme vor der Brust, stieß ein Schnauben aus. „Pff, das war ja mal wieder eine Meisterleistung, Wunderknabe.“

oder

Tom ballte die Hände zu Fäusten, dass die Knöchel weiß hervortraten. Sein Gesicht färbte sich rot, die Ader an seinem Hals trat pulsierend hervor und er knirschte mit den Zähnen.

Durch die bildhaften Details werden diese kurzen Szenen gleich viel eindringlicher als die einfache Behauptung und sprechen eher die Emotionen des Lesers an. Und das sollte immer unser Ziel sein.

Außerdem kann der Leser so die Handlung selbst deuten und eigene Schlüsse ziehen, anstatt es vom Autor vorgekaut zu bekommen. Was wiederum die Möglichkeit bietet, Leser auch einmal aufs Glatteis zu führen, indem man eine Figur auf eine Art handeln lässt, die sich auf unterschiedliche Weise deuten lässt.

Die richtige Balance finden

Neben Gefühlen und Empfindungen neigen Autoren auch bei Hintergrundinformationen dazu, ins Erzählen abzurutschen, anstand dem Leser relevante Informationen durch Handlungen zu zeigen oder sie sinnvoll in Dialogen aufzugreifen (ewige Schurkenmonologe und „Unser Sohn, der, wie wir alles wissen, Arzt ist, …“-Aussagen, sind dabei in der Regel nicht sinnvoll 😉 ).

Es gibt jedoch auch das entgegengesetzte Problem: Man erzählt gar nichts mehr und zeigt alles. Aber jedes Detail zu beschreiben, kann einen Text auch unnötig ausbremsen. Nicht alles, was in einer Geschichte passiert, ist spannend genug, auch gezeigt zu werden. Manche Informationen sind zwar relevant, aber nicht so wichtig, dass man sie im Detail zeigen müsste.

Hier hat Erzählen den Vorteil, kürzer und knapper zu sein, sodass man notwendige Informationen transportieren kann, ohne dafür eine eigenen Szene zu schreiben. Es ist jedoch nicht einfach, die richtige Balance zu finden und man muss jedes Mal neu abwägen, wie wichtig eine Information für die Handlung ist und ob sie relevant genug ist, auch miterlebt zu werden.

2 Kommentare

  1. Pingback: Dembelo

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