Schreiballtag: Der lange Weg zum Plot

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Der steinige (1)Der Plot ist es, der uns beim Schreiben den Weg weist. Aber der Weg zu einem runden Plot ist leider kein Zuckerschlecken. Ich hab es auch bei Weitem nicht gemeistert – so vermessen bin ich nicht! Aber ich hoffe, dass ich ein paar hilfreiche Tipps mit euch teilen kann.

Am Anfang war …

Womit der Plot bei mir seinen Anfang nimmt ist oft ganz unterschiedlich.

  • Manchmal ist es die Idee zu einer Figur. So ist mein Korai, der Love Interest in meinem Roman „Die Flügel der Freiheit“, dadurch inspiriert, dass ich einmal einen Artikel über Kumari gelesen habe. Zwar hat sein Charakter am Ende nicht mehr viel mit der Grundlage zu tun (weswegen ich die Idee vermutlich auch noch mal aufgreifen werde), aber sie brachte mir auch gleich den Grundkonflikt mit: er will nicht gefangen, sondern frei sein. Flucht mit seinem Geliebten bzw. Rettung durch seine Schwester.
  • Manchmal ist es ein Genre oder ein Genre Mash-up, der mit vorschwebt und aus dem sich Plot und Figuren ergeben. So wie bei „Meermänner küsst Mann nicht“, wo ich in guter „Once Upon A Time“-Manier etliche Märchen zusammen mischen wollte. Aber natürlich auch mit einer Prise Gay Romance ;-). Ebenso bei „Jäger in den Schatten“, wo ich mir dachte, dass ich auch gerne etwas Richtung „Supernatural“ und „Torchwood“ schreiben würde.

Aber auch wenn ich auf unterschiedliche Weise auf Ideen kommen mag, sobald der Kern einer Idee, der Grundkonflikt, da ist, gehe ich immer ähnlich vor. Und das auf eine vermutlich für einige recht „langweilige“ Art. Nämlich sehr systematisch.

Vom Groben zum Feinen

Der erste Schritt, nachdem ich eine grobe Idee habe, ist, dass ich mir überlege, wie meine Geschichte enden soll. Bekommt mein Held, was er will oder scheitert er? Scheitert er vielleicht, erkennt dann aber, dass er eigentlich etwas ganz anderes wollte? Ich finde es immer sehr wichtig, schon früh beim Schreiben zu wissen, auf welches Ziel ich zuschreibe – wenn ich das Ende zu Beginn des Schreibens nicht kannte, führte das in der Regel dazu, dass ich es auch nie erreichte.

Dann überlege ich mir, welcher Story-Struktur ich grob folgen möchte – möchte ich eine Heldenreise schreiben oder doch lieber etwas episodisches? Der Story Structure Architect von Victoria Lynn Schmidt (vgl. Leseempfehlungen) bietet eine Übersicht über die Strukturen, die sich über die Jahre hinweg etabliert haben. Sobald ich mich für eine entschieden hab, lege ich mir eine Schablone an, in der ich jeden einzelnen Strukturpunkt aufführe und dann nach und nach ausfülle. Für manche Punkte habe ich gleich eine Idee, eine ganze Szene vor Augen – bei anderen wird zunächst gebrainstormt und dann das interessanteste herausgepickt. Das Ergebnis ist eine grobe Übersicht über die Handlung.

Je nachdem ist das auch schon der Moment, an dem ich anfange zu schreiben. Bei gradlinigen, einfachen Plots oder auch bei Spaßprojekten (hin und wieder muss man ja auch mal was nur für sich tun!) reicht mir die grobe Übersicht häufig aus.

Anders sieht es aus, wenn es ein umfangreicheres oder komplexeres Projekt ist. Dann lege ich zusätzlich im letzten Schritt noch einen Szenenplan an, wo ich für jede geplante Szene grob in 2-3 Sätzen festlege, worum es gehen soll und welche Funktion in der Geschichte erfüllt werden soll. Das wird dann oft sehr umfangreich, verhindert aber, dass ich in die Situation komme, in der ich mir denke „Verdammt, und wie soll ich jetzt von A nach B kommen?“

Zu viel Planung?

Gerade viele Bauchschreiber glauben, dass zu viel Planung die Kreativität einzwängt und es keinen Spaß machen kann, stur einem Plan zu folgen. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass so ein Szenenplan wie eine Reiseroute ebenso spontan geändert werden kann, wenn man auf dem Weg feststellt, dass man doch lieber noch einen kurzen Ausflug in eine andere Richtung machen will. Doch wenn man einen Plan hat, dann hat man auch eine Route, auf die man nach diesem kurzen Abstecher zurückkehren und sie vielleicht dann ein bisschen angepasst fortführen kann. Sie ist keine starre Verpflichtung, aber sie stellt eine Absicherung dar, dass man sich nicht auf seiner Reise verirrt.

Aber manchmal passiert es auch, dass mich eine Idee erst beim Schreiben überfällt, die dann noch mal alles umwirft – meistens eine innovative, frische Idee, da ich beim Planen ja schon alle durchschnittlichen Ideen abgearbeitet habe. Dann hilft der Szenenplan dabei,

  • festzustellen, welche Szenen angepasst werden müssen, die bereits geschrieben wurden, und
  • zu überprüfen, ob man mit der neuen Idee überhaupt noch bei dem anvisierten Ziel angelangt.

Man kann auch direkt einfacher durchdenken, ob die neue Idee wirklich besser ist als die bereits notierten oder ob man mehr kaputt macht als gewinnt. Wenn man sich dann doch dagegen entscheidet, tut man das nicht, wenn man den kompletten Roman schon geschrieben hat und umfangreiche Überarbeitungen notwendig wären.

Auch wenn man bisher Bauchschreiber war, sollte man dem Planen zumindest einmal eine Chance geben. Macht denn nicht auch eine gut durchdachte Reise Spaß? 😉

Leseempfehlungen

Ich kann jedem, der sich mehr mit Plotten beschäftigen möchte, die folgenden beiden Bücher nur wärmstens ans Herz legen:

  • Story Engineering von Larry Brooks. In meinen Augen ein Standardwerk, in das man zumindest einmal hineingeblickt haben sollte. Auch wenn sicher nicht jeder mit Brooks Art zurecht kommt, bei der doch stark durchschimmert, dass er sehr von sich überzeugt ist, so bringt er doch einige sehr wichtige Dinge auf den Punkt.
  • Story Structure Architect: A Writer’s Guide to Building Plots, Characters and Complications von Victoria Lynn Schmidt. Das Buch hält genau, was der Titel verspricht. Inklusive vieler Beispiele erläutert Schmidt, welche Grundplots es gibt und aus welchen Bestandteilen diese bestehen. Am wertvollsten ist meines Erachtens der Teil, der sich den Grundkonflikten beschäftigt und eine sehr gute Anlaufstelle ist, wenn man beim Plotten hängt und etwas Inspiration benötigt.

(Leider gibt es beide Ratgeber meines Wissens nur auf Englisch 🙁 )

2 Kommentare

    1. Danke für deinen Kommentar!
      Ich hoffe, dass die Bücher dir weiterhelfen können – mir haben sie auf jeden Fall die Augen geöffnet 🙂
      Liebe Grüße
      Dahlia

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