Schreiballtag: Der Anfang des Schreibens

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Der Anfang des SchreibensVor kurzem wurde ich gefragt, wie lange ich schon schreibe – und als ich darüber nachgedacht habe, da habe ich fast erschrocken festgestellt, dass ich schon mehr als die Hälfte meines Lebens schreibe.

Ich bin jetzt 30 – angefangen habe ich, als ich 11 oder 12 war, meinen ersten eigenen PC hatte und der Vater einer guter Freundin mir ein Schreibprogramm für Kinder installiert hatte. Zusammen mit eben dieser Freundin wollte ich eine Zeitung für unsere kleine Straße herausgeben – und irgendwie dachte ich, dass es doch schön wäre, wenn man da auch Geschichten drin hätte und begann die Geschichte eines Mädchens zu schreiben, in deren Leben plötzlich die Zeit stehen bleibt – was ihr ihre schwarze, sprechende Katze mitteilte (gaaaar nicht von Luna in Sailor Moon inspiriert, aber so gaaar nicht). Ich glaube, dieses Machwerk ist nie länger als 2-3 Seiten geworden und ich weiß gar nicht, ob es überhaupt irgendjemand jemals zu Gesicht bekam.

Die Idee der Zeitung verlief schließlich auch im Sande, aber der Wunsch, eigene Geschichten zu schreiben, blieb. Ich tippte etliche Romananfänge in meinen Rechner, aus denen nie etwas wurde. Aber irgendwie wurden auch damals schon die Themen deutlich.

Der Junge, der von seinen Eltern im Stich gelassen wurde, und in zwei Außenseitern unerwartete Freunde fand. Zwei Jungen, beide auf andere Weise Außenseiter, die sich bei den Pfadfindern ineinander verliebten und deren Glück am Unverständnis ihres Umfelds zerbrach. Das Genexperiment, das schief lief und ein eigenes Leben beginnen wollte, aber das von der Vergangenheit eingeholt wurde. Zwei Kindersoldaten, die sich auf dem Schlachtfeld begegneten, aber von ihren Armeen getrennt wurden und auf sich allein gestellt langsam Freundschaft schlossen.

Und etliche mehr, die leider über die Jahre verloren gingen und nur noch als vage Erinnerungen weiterleben. (Und ja, auch das junge Mädchen, das sich in einen melancholischen Vampir verliebte, war dabei. 😉 )

Einzig mein Herzblutprojekt blieb seit damals bei mir. Es ist seltsam darüber nachzudenken, dass ich schon seit 1998 daran arbeite. Dass ich quasi daran gewachsen und groß geworden bin.

Die Hauptfiguren haben etliche Male den Charakter, den Namen und das Geschlecht gewechselt, der Cast wuchs an, aus Antagonisten wurden Protagonisten und umgekehrt, unzählige Fassungen wurden angefangen und dann wieder abgebrochen. Zwischendurch wurde es in eine Ecke verbannt, weil ich dachte, dass ich nie gut genug sein würde, professionell zu schreiben. Ich war in der Zeit als Küken in zwei Schreibgruppen (noch als Mailing Listen! Mag man sich kaum vorstellen!) und ein paar der Kritiken haben meinem 17-18-jährigen Selbst den Boden unter den Füßen weggerissen – da lobe ich mir Gruppen, die auch einen Wert auf Höflichkeit legen.

Auch wenn ich mich zu schlecht zum Veröffentlichen fand, ganz vom Schreiben konnte ich die Finger nicht lassen. Stattdessen begannen meine Lehrjahre als Fanfiction-Schreiberling. Hauptsächlich Harry Potter, aber auch diverse Anime.

Aber nach meinem Studienende 2011 juckte es mir in den Fingern, es noch einmal ernsthaft zu versuchen. Und diesmal habe ich nicht aufgegeben. Ich habe mich im Internet nach gleichgesinnten umgesehen, fühlte mich einige Zeit noch etwas heimatlos, ehe ich mein Zuhause im Tintenzirkel und im Unperfekthaus gefunden habe.

Und was das wichtigste ist: ich habe geschrieben.

Daraus entstanden sind meine Welt Drunai, zwei veröffentlichte Kurzgeschichten, ein Roman in Überarbeitung und ein halbes Dutzend geplante. Und auch außerhalb meiner Welt sprühen die Ideen wie Funken.

Und ich fühle mich endlich dort angekommen, wo ich hingehöre.

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