Schreiballtag: Das Abenteuer Selfpublishing – wagen oder nicht?

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Wagen oder nichtSeit einigen Wochen grüble ich darüber nach, mein Projekt „Jäger in den Schatten“ als Selfpublisher in Angriff zu nehmen. Je mehr ich mich damit beschäftige, um so mehr beginne ich zu zweifeln, dass es ein Zuhause bei einem Verlag finden könnte. Die Serie ist auf ambitionierte 50 Episoden angelegt – ein Mammutbaby, das in der Gesamtwortzahl spielerisch die Million knacken wird. Eine große Herausforderung, eine lange Reise – nicht nur für mich, sondern auch für den potentiellen Verlag. Doch lässt sich ein Verlag bei einem Neuling auf so ein Wagnis ein? Geschrieben habe ich bisher schließlich nur die erste Episode!

Auf der Suche nach Alternativen begann ich, mich mehr mit Selfpublishing zu beschäftigen – schnell wurde mir klar, dass ein professionelles Cover und Korrektorat&Lektorat wichtig sein würden, um aus der Masse herauszustechen. Dann vielleicht noch jemand, der sich um einen professionellen Satz kümmert. Bei einer optimistischen Kalkulation kam ich zu dem Ergebnis, dass mich jede der ca. 120-seitigen Episoden gut 1000€ kosten würden. Ein Betrag, den ich nicht so einfach vorstrecken könnte.

Und da man die erste Episode einer Serie als Teaser am besten für 0,99 einstellen sollte (oder gleich umsonst), müsste es schon ein Bestseller werden, damit die Kosten eingespielt und die Erlöse ausreichen würden, auch die Kosten für die zweite Episode zu tragen. Das klang dann gleich weniger rosig. Spontan sprang mich dann eine spannende Idee an: Ich könnte versuchen, das nötige Geld mit Crowdfunding zu sammeln. Würde ich dadurch doch direkt erfahren, wie gut die Idee ankäme und ob Leute bereit wären, Geld dafür auszugeben.

Crowdfunding – Sinn oder Unsinn?

Also begann ich sehr enthusiastisch, mich mehr mit Crowdfunding zu beschäftigen – aber das Ergebnis war auch eher ernüchternd. Die Projekte, aus dem Bereich Literatur, die ich fand, waren zu einem Großteil grandios gescheitert. Wenn ich in mich ging, fragte ich mich auch, woher ich ohne einen großen Fankreis im Rücken oder vielleicht doch einen Verlag an der Seite genug Unterstützer nehmen sollte, die notwendigen 1000€ zusammenzukriegen. Aber die Idee ganz aufgeben wollte ich noch nicht.

Ich überlegte, welche attraktiven Dankeschöns ich anbieten könnte, schließlich mussten die mit einkalkuliert werden. Postkarten, Poster und bedruckte Taschen schwebten mir vor. Nur hatte ich dann schnell höhere Ausgaben für das Merchandise und vor allem für Porto&Verpackung, als ich vorher für die Episode veranschlagt hatte, so dass sich mein Gesamtziel auf 3000-4000€ erhöhen müsste, damit ich durch die Dankeschöns nicht kräftig im Minus landen würde. (Und Umsatzsteuer würde dann auch fällig …).

Nun ja, dass erschien doch eher Kontraproduktiv. Ich schaute mich ein bisschen um, was für Dankeschöns andere Autoren anboten.

  • Signierte Bücher verschicken – bei E-Book schwierig, aber bei CreateSpace ein paar Exemplare drucken zu lassen, wäre ja auch eine Option. Und irgendwann sollte es ohnehin eine Printausgabe geben.
  • Erwähnung in der Danksagung – da die Danksagung nicht länger als die Geschichte werden sollte, müsste das auf jeden Fall limitiert sein.
  • Ein Postkartengruß – eine hübsche Idee, recht günstig umzusetzen. Und wenn es meine Serie finanzieren würde, würde ich auch ein paar Tage meine Finger wund schreiben.
  • Eine Rolle in der Geschichte – möglich, aber da ich schon ziemlich genau geplottet habe und in der ersten Episode eigentlich nicht großartig Statisten auftreten, wäre mir das nicht so lieb. Aber vielleicht eine Rolle als Statist in einer späteren Episode.
  • Eine Kurzgeschichte, die extra für den Unterstützer geschrieben würde – das wäre wiederum eine Idee, die ganz gut möglich wäre. Aber auch einen entsprechend hohen Aufwand bedeutet.

Auf der Basis stellte ich dann eine weitere Kalkulation auf – damit es sich vom Verhältnis eher lohnte, gleich die Kosten für die ersten beiden Episoden. So kam ich dann auf eine benötigte Summe von 3000€ Immer noch recht viel für die Dankeschöns, aber 2000€ zu 3000€ sieht doch schon besser aus als 1000€ zu 4000€.

Aber nach reiflicher Überlegung erschien es mir immer noch impraktikabel. Immer noch würde ich allein nur um die Kosten zu decken, weitaus mehr Unterstützer benötigen, als ich realistisch annehmen konnte (sollte jeder die billigste Option wählen, mindestens 600). Gay Romance Paranormal Krimis sind doch eher in der Nische anzusiedeln und sprechen kein Massenpublikum an (wobei ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen lassen würde 😉 ).

Ganz in Eigenregie

Die zweite Möglichkeit, die dann noch blieb: Ich könnte auf die Profi-Leistungen verzichten und mehr der Arbeit selbst leisten und/oder Freunde und Familie einspannen.

Beim Cover-Basteln wäre ich vermutlich auch gar nicht so schlecht, eine befreundete Illustratorin könnte ich auch einspannen – und sobald ich eine Vorlage für die erste Episode hätte, müsste nur noch die Graphik ausgetauscht werden, so dass der Aufwand dafür auch abnehmen würde. Zudem ist mit Gimp herumexperimentieren etwas, was mir Spaß macht.

Das Lektorat & Korrektorat könnte ich fleißigen Testleser überlassen, denen dann mein ewiger Dank, eine Erwähnung in der Danksagung und ein Freiexemplar sicher wäre. Und zur Sicherheit könnte ich auch noch 1-2 Mal öfter als sonst drüberlesen. Überarbeiten macht mir schließlich auch Spaß 😉

Der Satz für ein E-Book ist ohnehin nicht so aufwändig, da man keine Kontrolle darüber hat, mit welcher Schriftart und in welcher Größe der Text schlussendlich gelesen wir. Und ohne zu wissen, wie es am Ende beim Leser aussieht, kann man nichts gegen Schusterjungen, Hurenkinder und Fliegenschiss machen. Und da ich recht technikaffin bin, fuchse ich mich auch gerne in die E-Book-Erstellung rein.

Damit käme ich nicht an die Qualität von Profileistungen heran, sicher nicht.*

Aber es wäre machbar, ohne mich in den Ruin zu stürzen, sollte die Serie keine ausreichende Zahl an Lesern finden. Und wenn ich dann nach den ersten Episoden feststellen würde, dass die Serie sich wie geschnitten Brot verkauft, könnte ich mir vielleicht für die zweite Staffel oder den Sammelband der ersten Staffel ein Lektorat leisten.

Und nun?

Es ist noch nicht in Stein gemeißelt, aber wenn niemand mich umstimmt, dann werden meine Jäger wohl ab nächstes Jahr als selbstproduzierte Serie erscheinen. Eine große Entscheidungshilfe war dabei auch, dass ich während der Lektüre von KLÜGER PUBLIZIEREN von Stephan Waldscheidt festgestellt habe, dass ich vom Typ her doch eher Selfpublisher als Verlagsautor bin.

Die Gründe dafür sind vielseitig. Das beginnt dabei, dass ich kein wirklich massentaugliches Genre schreibe, ergo keine wirkliche Chance hab, bei einem Publikumsverlag zu landen. Dann kann ich mich auch furchtbar schlecht durchsetzen und gehe gerne Konflikten aus dem Weg, insbesondere bei Leuten, die mir den Geldhahn zudrehen könnten – ich würde vermutlich nicht den Mut aufbringen, mich zu beschweren, wenn ich mit Cover- und Titelwahl, Klappentext und Lektoratsänderungen todunglücklich wäre.

Am schwersten wiegt dabei jedoch: Ich bin verdammt ungeduldig. Bewerbungen für Agenturen und Verlage zu schreiben, kostet nicht nur Zeit, die ich ins Schreiben investieren könnte, sondern es ist zudem mit langen Wartezeiten verknüpft, die zusätzlich noch an meinen Nerven zehren (und als nervliches Wrack schreibt es sich nicht gut). Und wenn es eine Absage ist, fängt das gleiche wieder von vorne an. Und dann, wenn der Verlag gefunden ist, will ich nicht Monate bis Jahre darauf warten, dass ein Buch von mir erscheint. Schließlich hätte es mich zu der Zeit schon Monate bis Jahre begleitet, ehe ich es endlich veröffentlichungswürdig erklärt habe (denn schließlich bin ich auch Perfektionist!). Ich will auch nicht, dass meine Leser dann Wochen und Monate auf die Fortsetzung warten müssen. Als Selfpublisher hätte ich das ganze selbst in der Hand – was mit viel größere Freiheiten gibt.

Sobald es Konkreteres gibt, werde ich euch hier auf dem Laufenden halten. Auch was das Schicksal meiner anderen Projekte angeht 🙂

 

*Wobei ich mir zumindest beim Lektorat vorstellen könnte, dass engagierte Testleser, die sich im Genre auskennen, vielleicht tatsächlich ähnlich gute oder sogar bessere Leistungen abliefern, als ein Lektor, der das Genre sonst nicht liest. Da muss man ja auch irgendwie erstmal einen Profi finden, der auch mein kleines Nischchen bedient :-

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